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Serenade of the Seas
Am 12.7.2003 fand die Überführung der Serenade of the Seas, gebaut in der Meyer-Werft in Papenburg, nach Eemshaven in Holland statt. Die 40 Kilometer lange Fahrt durch die Ems ist bei den Überführungen ein schwieriges Unternehmen. Die ersten Engstellen, die Eisenbahnbrücke bei Weener und die Jann-Berghaus-Brücke in Leer, passierte das Schiff ohne Probleme. Das letzte Nadelöhr auf dem Weg lag noch vor ihr: das neue Emssperrwerk bei Gandersum.
Kurz hinter Leer trafen wir auf das Schiff. Die Fahrt durch die Ems legte es rückwärts aus eigener Kraft zurück, da es sich nach Aussage der Werft dann besser steuern läßt. Zur Sicherheit wird es von 3 Schleppern begleitet, falls eine Störung am Antrieb eintritt oder Korrekturen nötig sind. Die Fahrtgeschwindigkeit beträgt ca. 7 Km/h. Zum erstenmal legt ein Schiff dieser Größe die Emsfahrt ohne Zwischenstop zurück. Möglich wird dies durch das neue Ems-Sperrwerk bei Gandersum. Die Gezeiten der Nordsee wirken sich auch in der Ems aus. Die Wassertiefe von 7.3 Metern, die notwendig ist, hat der Fluß nur bei Hochwasser.
Als in der Nacht vor der Überführung der Scheitelpunkt der Flut erreicht war, wurden die Tore am Sperrwerk geschlossen, auch die Hauptdurchfahrt von 60 m. Breite. Auf dem rechten Bild sieht man an der farblichen Kennzeichnung der blauen Scheibe die Stellung. Das Sperrtor ist noch geschlossen, es ragt sichtbar aus dem Wasser. Der Wasserstand der Ems blieb also auch bei ablaufendem Wasser in den folgenden 12 Stunden auf Hochwasserniveau, da sie durch das Sperrwerk völlig abgeriegelt wird. Nur dadurch war die Nonstopfahrt möglich. Früher mußten die Schiffe oft stundenlange Pausen einlegen. Der Zeitplan der Fahrt ist so ausgelegt, das die Serenade of the Seas das Sperrwerk zum Zeitpunkt des Mittaghochwassers erreicht.
Der Zeitplan wurde gut eingehalten und gegen 11 Uhr traf das 293 m lange und 32 m breite Schiff am Sperrwerk ein. Zum Scheitelpunkt der Flut wurde jetzt die Hauptdurchfahrt geöffnet. In Zeitlupe fuhr das Tor in die Durchfahrtstellung.

Mit ganz langsamer Fahrt näherte sich das Schiff der Durchfahrt. Ein Kolloss mußte durch ein Nadelöhr.
Jetzt war die "Serenade of the Seas" so nah, dass man die tatsächliche Größe überhaupt erst wahrnehmen konnte und die Relationen bewußt wurden. Für mich alte Landratte war es kaum vorstellbar, das ein Schiff dieser Ausmaße so genau zu manövrieren ist. Zentimeter für Zentimeter schob es sich durch das Sperrwerk.
Und dann war es geschafft. Ohne Schrammen bewältigte der Luxusliner das Nadelöhr im Rückwärtsgang. Die Fahrt ging weiter, vorbei an Emden, hinaus auf die Nordsee. Dort folgte die ausführliche Erprobung des Schiffes auf See. Eigentlich wollte ich dem Dampfer noch weiter folgen, aber nach passieren des Sperrwerks wollten alle Besucher gleichzeitig nach Hause. Und daraus entstand ein katastrophales Verkehrschaos. Es dauerte fast 2 Stunden, bis der Parkplatz ohne Nervenkrise zu verlassen war. Das Schiff war zu dem Zeitpunkt schon lange an Emden vorbei. Die Organisatoren im Ems-Sperrwerk waren sicherlich von der Menge der Besucher völlig überrascht worden. Es war eben das erste Mal, das ein Schiff durch den Neubau mußte.

Der Vollständigkeit wegen noch ein paar Daten des Schiffes, entnommen aus dem Pressetext der Werft::

Länge über alles: 293,20 m - Breite auf Spanten: 32.20 m - Anzahl der Decks: 15 - Tiefgang voll beladen: 8.15 m - Vermessung: 90.090 BRZ - Tragfähigkeit: 8900 t - Antriebsleistung: 2 x 20.000 kW - Geschwindigkeit: 24 kn - Maschinenleistung: 78600 PS (2 Gas-, 1 Dampfturbine) - Passagierkapazität: 2100 - Anzahl der Kabinen: 1055 - Kabinen mit Balkon: 577 - Außenkabinen: 817 - Innenkabinen: 238 - Besatzung: 858

Ende Juli wird der Ozeanriese an die amerikanische Reederei "Royal Caribbean International" übergeben und am 22. August in New York von der Schauspielerin Whoopi Goldberg getauft werden.

Wer die Möglichkeit hat, sich solch eine Emsfahrt eines Luxusliner mal anzusehen, sollte sich die Zeit dafür nehmen. Es ist beeindruckend, wenn ein solch gewaltiges Schiff auf der kleinen Ems an einem vorbeifährt. Ich jedenfalls wünsche der "Serenade of the Seas" allzeit gute Fahrt und die berühmte Handbreit Wasser unter'm Kiel.

Wer sich über das Sperrwerk informieren möchte, folge diesem Link. http://www.ems-sperrwerk.de

Die Webseite der Meyerwerft in Papenburg: http://www.meyerwerft.de

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