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.... mein bester Tag.....

Motivation der Mitarbeiter. Was gibt es wohl Wichtigeres im Arbeitsleben. Und wo sonst gibt es soviel blöde Ideen. Versetzt euch mal in folgende Situation:

Januar, Montag, Frost, 5 Uhr 35, Scheiben vom Auto zugefroren, wir kämpfen mit dem Eiskratzer, den immer kälter werdenden Fingern bei der mühsamen Schaberei auf der Windschutzscheibe. Der Kampf gegen die Uhr tobt ebenfalls und das mit einem Blutdruck, der noch weit unter allen Grenzwerten liegt. Minuten später sind die Scheiben soweit frei, dass eventuell aus dem Dickicht auftauchende Gesetzeshüter keine Einwände mehr erheben können. Rein in die alte Kiste, Schlüssel umdrehen, der Anlasser gibt ungewöhnliche kurze Geräusche von sich, mehr passiert nicht, wir können den Schlüssel wieder loslassen. Fast unheimliche Stille umgibt uns. Zweiter Versuch, Schlüssel umdrehen, der Anlasser wäre vielleicht willig, das nutzt aber nichts, denn die Batterie ist leer. Hat man etwa umsonst gekratzt. Niemals, wir werden die Karre irgendwie zum Laufen bringen. Also, Maßnahmen sind gefragt. Die nächsten Minuten haben es in sich. Leise schimpft man in sich hinein. Die Kosenamen, die der Wagen erhält, gebe ich hier besser nicht wieder. Morgen lasse ich erst den Motor an, dann wird erst gekratzt. Basta. Öko hin, Öko her. Die fünf Minuten Leerlauf machen es auch nicht mehr. Dieser tapfere Entschluss steht jetzt fest. Jedenfalls im Augenblick. Es geht wieder bergauf, vor allem mit dem Blutdruck. Entscheidungsfreudig folgt der Gang zur Haustür, Schlüssel umdrehen, Tür auf, rein ins Haus. Wozu hat man eine treusorgende Gattin, die bestimmt gerne den Wagen anschiebt, es ist ja inzwischen schon 5 Uhr 45. Da kann man doch wirklich schon mal aufstehen. Irgendwie teilt die Göttergattin die Begeisterung dann aber nicht, dennoch quält sie sich gezwungenermaßen mit wenig liebevollen Bemerkungen aus dem Bett. Ist Liebe schön. Sie kommt, sie schiebt was das Zeug hält, beim dritten Versuch klappt es dann. Man ist heilfroh, das der Motor dröhnt, die Flüche der Göttergattin gehen darin unter. Sie hat sich beim Anschieben schon einige hundert Meter vom Haus entfernt, ein kleiner Spaziergang in der frischen Winterluft ist doch bestimmt gesund. Was es wohl zum Abendessen gibt, frag ich mich. Wasser und Brot?

Berufsverkehr bei eventuell vereinzelt auftretender Glättegefahr ist die wahre Wonne, erst recht mit Sommerreifen. Versucht mal, die Zeit wieder aufzuholen. Völlig unmöglich. Ein verschrecktes Reh, ein flotter Ausrutscher an die Bordsteinkante, da ist mal wieder eine Spurvermessung im Frühjahr angesagt, etliche Kilometer hinter dem Streudienst, der munter sein Salz im hohen Bogen auf die Strasse katapultiert - aufs Auto auch, und dann die rote Ampel. Warten. Gelb, Gang rein, Grün, Gas geben, und wieder geht nichts. Hier ist es wirklich glatt, man steht vorne, die Sommerreifen scheuern lustlos auf dem Eis und die Fahrer hinter einem hupen hochmotiviert, und dann klappt es gerade noch, das man selber über die Ampel kommt. Die Flüche derer, die jetzt noch eine Rotphase vor sich haben, kann man zum Glück nicht hören. Aber das Dilemma mit dem niedrigen Blutdruck ist erst mal erledigt. Endlich angekommen, natürlich zu spät, natürlich gibt es auch die üblichen Sprüche und es gibt natürlich noch einen Seitenhieb vom Chef. Spätestens jetzt ist der Blutdruck über dem Limit. Und dann hält dieser Chef einen Vortrag. Man hat noch keinen Kaffee bekommen, nur wenig Lust auf Vorträge, und gespannte Erwartung kommt auch nicht auf.

Meine Herren, so dröhnt es durch die heiligen Hallen, sie werden zu ihrer Motivation demnächst diese Flipchart mit folgendem Text ständig vor Augen haben. Er schlug die erste leere Seite um, und da stand der Text auf einem Quadratmeter Papier, welches wiederum Halt auf den spindeldürren Aluminiumbeinen der Flipchart fand, der Spruch, der uns denn so auf Trab bringen sollte und den wir uns immer vorsagen und immer im Gedächnis haben sollen

Heute ist mein bester Tag

Das bringt es voll. Bringt man den Alten gleich um oder erst nach dem Kaffee. Hochmotiviert schmiedet man Pläne zu seiner Beseitigung. Da soll mal einer sagen, das so ein Spruch nicht motiviert.

 

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