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Auch diese Geschichte schickte mir Jens aus Bielefeld zu. Selbst ein Kinobesuch hat seine Tücken und die Geschichte basiert auf einer wahren Begebenheit.

Kino

Man kennt das ja. Neudeutsch nennen sich diese Dinger ’’Trailer’’. Die kleinen Vorschaufilmchen für den ’’Kassenschlager des Jahres’’, wie im Fernsehen immer vollmundig verkündet wird.

„Schatz? Wollen wir den nicht mal wieder im Kino ansehen?“ fragt meine Holde mit klimperndem Augenaufschlag. „Wir waren schon ewig nicht mehr im Kino!“ Was meine Süße so als ewig bezeichnet, ist für mich gerade mal vier Wochen her. Aber nun gut. Frauen haben da sowieso ein anderes Zeitgefühl als wir Männer.
Also den ersten Feiertag genutzt und gleich um 17.00 Uhr die Vorstellung angepeilt. Eine knappe halbe Stunde vor dem Filmstart hatten wir eines der ortsansässigen Großkinos angesteuert. Hier geht das Drama nicht erst im Kinosessel, sondern bereits an der Kasse los. Eine kurze Schlange vor dem einzigen geöffneten Schalter erwartet uns.
Das Teenie- Pärchen ganz vorn hat sich den Film des Abends noch nicht ausgesucht. Entsprechend wird nun vom leicht genervten Kassierer eine detaillierte Inhaltsangabe der laufenden Filme verlangt. „ Macht langsam Kinners“ denke ich mir, „ist ja erst viertel vor fünf!“
Sieben Minuten später haben sich die Beiden schon auf einen Film geeinigt und das freundliche, ältere Ehepaar vor uns ist dran. Er scheinbar ein rüstiger 70er, Sie ein bis zwei Jährchen jünger. Ihre Karten zahlen sie aus dem berühmt-berüchtigten Kleingeldportemonnaie.
Dann sind wir auch schon dran und nachdem ich für uns Beide zwei Kinokarten beim immer noch Cent- Stücke sortierenden Kassierer erworben habe, geht es hinauf in den ersten Stock. Nun aber fix noch etwas zu Trinken, Popcorn und was das Kinoerlebnis sonst noch so abrunden kann. Vor uns erneut das ältere Ehepaar und, man glaubt es kaum, noch mehr Kleingeld! Anscheinend haben die Beiden Ihren letzten Sparstrumpf für dieses Kinoerlebnis geopfert.
Um 17.15 Uhr haben wir dann endlich alle Knabbersachen erworben und hetzen in den dritten Stock zum Kinosaal. Hier erwartet uns zunächst mal ein ernüchternder Anblick: Vor der geschlossenen Tür eine Warteschlange. Ein freundlicher Herr, dessen Outfit irgendwie dem der flugunfähigen Wasservögel aus der arktischen Zone ähnelt, erklärt uns auf Anfrage, es habe einen Filmriss gegeben. Kenne ich auch, nur nicht unbedingt im Kino.
Wie dem auch sei, um 17.45 Uhr war endlich Einlass. Den kompletten Werbeblock überstanden wir ohne weitere Schädigungen der bereits leicht ramponierten, guten Laune. Schließlich erwartete uns am Ende, ca. gegen 18.15 Uhr, die lang ersehnte ’’beste Komödie des Jahres’’. Kurz nach Ende des Werbeblocks gingen jedoch nicht etwa die Vorhänge, sondern zunächst einmal die Türen auf und die Lichter an. Nun brachte der harmlose Satz „will noch jemand Eis???“, sowie die darauf in die Höhe schnellenden Hände einiger, weniger Kinobesucher, meine Lebensgefährtin in die missliche Lage, mich mit sanfter Gewalt und beruhigenden Worten von der Anwendung mittelalterlicher Lynchmethoden abzubringen! Nach weiteren, schlappen 10 Minuten, in denen der Eismann mit stoischer Ruhe kreuz und quer durch den Kinosaal stakste, begann dann auch endlich der Film und wir sanken entspannt in die Sessel zurück.

Der Rest des Abends ist schnell erzählt. Wir lernten zum einen, das Jahr ist noch lang! Deshalb ist ’’beste Komödie des Jahres’’ bereits Ende Mai nicht gerade aussagekräftig. Zum anderen ließen die Parkkosten auf ein langjähriges Studium des Parkwächters im Finanzbereich schließen….


…. und wir gehen demnächst mal wieder in die Videothek.

 

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