zurück zur Startseite
zurück zum prallen Leben

....Der Samstagseinkauf

Es schien ein ganz normaler Samstag vormittag zu werden. Das bedeutet, dass ich zuhause am Rechner sitze und Karin den Einkauf erledigt. Eigentlich ist sie froh, wenn ich nicht mitkomme, da meine Geduld im Supermarkt immer sehr begrenzt ist. Natürlich fragt sie trotzdem, was sie denn so mitbringen soll. Dummerweise habe ich in der mir manchmal eigenen Art nicht richtig zugehört und antwortete locker: „Kauf was Schönes ein, worauf ich Hunger hab.“ Irgendwie rutschte mir das so raus, leider war es wohl der falsche Text. „Dann komm gefälligst selber mit, dann kannst du dir das Richtige aussuchen, ich weiß doch nicht, worauf du Hunger hast, polterte sie los. Uuups, das hab ich ja super hingekriegt. Sie weiß doch genau, dass ich beim Einkaufen alles andere als eine Hilfe bin. Doch sie war jetzt gnadenlos. Also, wenn sie es nicht besser haben will. Rechner runtergefahren und rein ins Auto. Das kann ja wieder heiter werden.

Am Supermarkt herrschte schon rege Hektik auf dem Parkplatz. Innen sah es auch nicht besser aus. Ich sollte mir was aussuchen. Das konnte sie haben. Zielsicher fischte ich ein Paket mit Räucherlachs aus dem Regal und legte es ebenso treffsicher im Einkaufswagen ab. Bevor das Paket sich jedoch in diesem heimisch fühlen konnte, wurde es unsanft von Karin wieder hochgenommen. Sie drehte es nach links und nach rechts. Bis sie fand, wonach sie suchte, stand ich mit verständnislosem Blick neben ihr. Aha, das war’s, das Haltbarkeitsdatum. Da hatte ich schon drauf geachtet, es war noch etliche Tage Zeit, der Fisch wird den Abend eh nicht überstehen. Damit gab sie sich nicht zufrieden. Genauso zielsicher durchsuchte sie die restlichen Pakete im Regal, jetzt wußte sie ja, wo das Datum stand. Ich hab es doch gewußt, das hier hält noch etwas länger. Sie strahlte mich mit ihrem schönsten Siegerblick an. Na gut, so sind sie, die Frauen, mir hätte Haltbarkeit bis zum Abend gereicht. Auch bei anderen Artikeln diente der vorderste im Regal lediglich als Informationsquelle. Gekauft wird meist immer das, was hinten steht. War das jetzt `nen Tick, den nur meine Frau hat. Jetzt will ich es genau wissen.

Am Tiefkühlregal stand eine Dame, die ich als perfekte Hausfrau einschätzte, fragt mich aber bitte nicht, warum. Es war einfach so. Spinat sollte es sein, tiefgefroren. Paket genommen, und dann wurde gelesen. Der Spinat taute wahrscheinlich gerade auf, so lang hielt sie das Paket in der Hand und studierte den Text. Was es bei Spinat wohl zu lesen gibt. Das Paket wurde wieder zurückgestellt. Neues Paket, gleicher Artikel, von ganz hinten genommen. Diesmal nur kurze Begutachtung, das Paket im Einkaufswagen gebunkert, sie zog weiter zur Milchtheke. Ich suchte mir jetzt einige andere Kundinnen aus und konnte bei allen eine innige Vorliebe für Artikel feststellen, die möglichst weit hinten im Regal stehen. Das ging soweit, dass es bei den oberen Fächern wirklich akrobatische und artistische Einlagen zu bewundern gab, vor allem bei Kundinnen, die nicht mit Körpergröße von der Natur beschenkt worden sind. Nun war ich endgültig neugierig, Mußte ich das Einkaufen neu lernen.

Es schien so. Mir selber fiel in diesem Moment ein Glas Champignons auf. Die sind lecker, die ess ich gerne und da kann ich ja nichts falsch machen. Ich nehme das Glas, natürlich von ganz hinten und will jetzt auch fachkundig kaufen. Also lese ich erst mal. Ist aber nicht wirklich spannend. Haltbar sind sie auch bis in alle Ewigkeit. Da kann Karin jetzt aber stolz auf mich sein, wie schnell ich lerne. Was willst du denn damit, fragt sie mich entrüstet. Kurz und knapp antworte ich wahrheitsgemäß: „essen“. Da kannst du die doch nicht nehmen. Ich fiel förmlich in mich zusammen. „Warum, sind das nur Attrappen“ antworte ich völlig geknickt. „Die sind doch viel zu teuer“, bekomme ich zur Antwort. Und wieder hab ich etwas nicht beachtet. Ich resignierte. Lebte ich allein, so wäre ich dem Hungertode gewidmet. Ich kann nicht einkaufen. Ich zweifelte an mir. Teilnahmslos folge ich Karin und ihrem inzwischen prall gefüllten Einkaufswagen mit gesenktem Blick bis zur Kasse. Bin ich wirklich nicht fähig, professionell einzukaufen. Zwischen all diesen Profieinkäuferinnen fühle ich mich verloren wie selten zuvor.

Waren an der Kasse aus dem Wagen packen und auf das Band legen, das kann ich aber. Ich greife beherzt zu und werde ein nächstes Mal jäh gestoppt. Du mußt erst die schweren Teile aufs Band legen. Wenn du den Salat und die Milch im Wagen hinterher unten hast, sind die bestimmt nicht mehr zu gebrauchen. Ja, Ja, Ja, ich habe verstanden. Ich gehe an der Kasse vorbei und verlasse das Spielfeld. Und freue mich mal wieder himmlisch über ihren Eifer, das Geld mühsam passend abzuzählen, um auch das Kleingeld loszuwerden, ungeachtet der Ungeduld und der Blicke der hinter ihr Wartenden. Morgen braucht sie bestimmt wieder Kleingeld, sei es für einen Parkschein oder andere Automaten. Dann kann ich endlich wieder Kontra geben.

zurück zum prallen Leben