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...wie komme ich ohne zu klingeln ins Haus ?
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Die Lösung dieses Problem's war mir wirklich wichtig. Der schönste Platz ist in meinem Körbchen im Flur, von wo aus ich die ganze Umgebung im Auge behalten kann. Vor allem im Winter ist man als Kater doch besser im warmen Haus aufgehoben. Andererseits muss ich auch mal vor die Tür. In meinem Revier ist die tägliche Präsenz schon wichtig, ich bin hier als Kater schließlich nicht allein auf der Welt, und auf meinem Grund und Boden hat sonst keiner was zu suchen. Präsenz hin, Nebenbuhler her, irgendwann will ich auch wieder rein. Nur wie? Die Menschen haben so einen ulkigen Knopf in der Wand, da drücken die drauf und schon geht die Haustür auf. Warum bitteschön, sitzt der sooo hoch, dass ich da nicht drankomme. Wer zum Teufel baut so etwas?
Ich versuchte es erst mal im Guten und setzte mich brav vor die Haustür. Nur es passierte nichts. Es ist mir bis heute noch nicht klar, wie man einen so adretten Kerl wie mich übersehen kann. Meine menschlichen Hausgenossen waren mit Blindheit geschlagen. Kein Blick durch die Tür, kein rufen, vermisst mich denn keiner? Ich war enttäuscht. Schöner Haushalt. Schnell wurde klar, dass ich mir was besseres einfallen lassen mußte.
Ich dachte scharf nach. Ich kann ja mal versuchen, anders auf mich aufmerksam zu machen. Also, Showtime, ab geht die Post. Ich tat so, als wenn ich einen Vogel fangen wollte, sprang hoch in die Luft, wälzte mich im Gras, kletterte auf die Schaukel, sprang wieder runter. Das volle Programm hab ich durchgezogen. Und was war am Ende : Nichts. Keine offene Tür, kein Beifall, kein Applaus. Bin ich denn hier der Kasper ? Ich war jetzt stinksauer.
Wozu, ihr lieben Menschen, habe ich eine Stimme. Ich peilte noch einmal die Lage und schaute durch die Scheibe der Haustür, ob ich jemanden im Haus entdecken konnte. Keine Spur menschlicher Lebensform war zu sehen. Also los, tief luftholen und ein trauriges, aber lautes Miau ausstoßen. Gedacht, getan - null Reaktion. Hören können die wohl auch nicht so gut wie ich. Das Ganze nochmal. Wieder nichts. Sind die taub? Im schnellen Trab gings jetzt rund ums Haus, ein Miau folgte dem anderen. So langsam stieg die nackte Verzweiflung in mir hoch.
Ich legte mich jetzt erst mal in die Sonne und ließ mir das alles in Ruhe durch den Kopf gehen. Ich habe gewartet, ne Show abgezogen, miaut und gemauzt, was die Stimme hergab, und das alles umsonst. Ich warte doch nicht immer draußen, bis die Herrschaften mich freiwillig reinrufen. Ich bin ein Kater und entscheide selbst, wann ich ins Haus will. Ich war jetzt völlig verzweifelt. Es kann doch nicht sein, das ich hier meinen Dickkopf nicht durchsetze.

Ich sprang auf, lief noch einmal zur Haustür, stellte mich auf die Hinterpfoten und trommelte an die Scheibe, so laut ich konnte. Und ich konnte zu meiner eigenen Überraschung sehr laut trommeln. Und dann geschah es. Einen Moment später machte Karin die Tür auf. Es gab noch Wunder auf der Welt. Sollte das die Lösung gewesen sein. Es schien fast so. Über die folgenden Jahre hat sich dieses Verfahren als äußerst wirkungsvoll erwiesen. Das erste Problem war damit gelöst. Jetzt war ich aber auch fix und fertig. Ich legte mich erschöpft in mein Körbchen und gönnte mir erst mal eine Runde Schlaf. Es warteten ja doch noch viele andere Probleme auf ihre Lösung. Eines davon war ein schwerwiegendes Kommunikationsproblem, wenn es ums Mittagessen geht.

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