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Moritz allein zu Haus
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Mit einem lauten Knall fiel die Haustür ins Schloss und riss mich aus meinen schönsten Träumen. Ich sprang auf, um zu sehen, was los war. Alles sah aus wie immer. So unsanft aus dem Schlaf gerissen, setzte ich mich hin und ordnete erst mal mein Fell. Katzen sind ja bekanntermaßen sehr saubere Tiere und ich lege natürlich auch besonders viel Wert auf Reinlichkeit. Nach der Körperpflege wollte ich dann mal nachsehen, was sich hier im Haus so tut. Aufstehen, Vorderpfoten recken, Hinterpfoten recken, den Rest vom mir auch noch mal langmachen, einmal kurz und heftig gähnen, und dann gings los.
Ich schlich erst mal die Kellertreppe runter, hier unten war aber nichts zu entdecken. Kellertreppe wieder hoch und hinauf in den ersten Stock. Hier tat sich auch nichts. Kein Computer lief, kein Mausklick zu hören, überhaupt war alles totenstill. Ich flitzte die Treppe wieder runter und ab in die Küche. Was ich da sah, verschlug mir fast die Sprache. Ein Teller stand auf dem Tisch, auf ihm lag Fisch zum auftauen. Wenn mich jetzt meine Nase nicht täuschte, war dies geschehen. Hat Karin mich übersehen und ist einfach so nach draussen gegangen. Bestimmt ist sie nochmal zum Einkaufen, weil sie wieder die Hälfte heute morgen vergessen hat.
Letztendlich war mir das nun egal. Der Teller auf dem Tisch war viel interessanter als alles andere. Ich dachte angestrengt nach: Wenn ich jetzt auf den Stuhl springe, kann ich viel besser sehen, was da auf dem Tisch steht. Vom Sehen werde ich aber nicht satt. Wenn mich aber jemand dabei erwischt, wenn ich am Tisch an den Teller gehe, dann fliege ich achtkantig raus, weil ich das nicht darf. Eine schwere Entscheidung. Sollte ich das Risiko eingehen und naschen. An dieser Stelle meiner Überlegungen mischte sich mein vorlauter Magen wieder mal ein. Spring auf den Tisch, flüsterte er mir zu. Niemals, setzte ich ihm entgegen. Aber die Stimme meines Magens ließ nicht locker.
Ich sprang erst mal auf den Stuhl, da kann noch nichts passieren. Der Duft in meiner Nase spornte die Geschwätzigkeit meiner inneren Stimme noch mehr an. Ich kann ja mal vorsichtig eine Tatze auf den Tisch legen. Das wird ja wohl nicht verboten sein. Meine Nase kam der Quelle des Duftes noch näher, die innere Stimme lief in ihrer Überzeugungskraft zu Hochform auf. Die zweite Tatze lag einen Moment später auch auf dem Tisch. Mein Hals wurde lang und länger, um an den Teller zu kommen.
Geschafft, jetzt wurde nicht nur geschnuppert, jetzt wurde erst mal ausgiebig gegessen. Als ich fertig mit dem Teller war, hatte ich ihn völlig blank geputzt. Wäre ich dabei erwischt worden, dann hätte mir Karin einen Vortrag gehalten, der es in sich gehabt hätte. Schlimmer noch, ich hätte für den Nachmittag sicherlich Hausverbot bekommen. Aber, es war ja niemand da außer mir. Und da mich niemand hier gesehen hat, war ich auch niemals am Tisch gewesen. Eigentlich ist das alles doch ganz einfach.

Jetzt mußte ich mich nur noch in mein Körbchen verkriechen und total unschuldig schlafen. Dann ist der Coup super gelaufen. Ich schlich also zurück und putzte mir sorgfältig mein Maul und meine Pfoten ab, um alle Spuren zu beseitigen. Reinlichkeit ist eben alles. Gerade war ich fertig gestylt, als ich Schritte an der Tür hörte. Frauchen kam zurück, sie war wirklich nochmal einkaufen gewesen. Ich legte mich schnell hin, schloss beide Augen bis auf einen winzigen Spalt und stellte mich schlafend.

Karin öffnete die Haustür und ging geradewegs in die Küche, um den Einkauf abzulegen. Ich schielte neugierig zu ihr herüber. Jetzt blickt sie zum Tisch. Als sie den sauberen Teller in der Hand hält, zögert sie für einen Moment. Ihr Blick richtete sich auf mich und war nicht gerade freundlich. Schnell schließe ich vorsichtshalber mal den Spalt in meinen Augen. Sie kam an mein Körbchen sah mich an und schüttelte dann den Kopf. Unschuldig wie ein Engel mußte ich wohl aussehen, denn das befürchtete Donnerwetter blieb aus. Alles war gut gegangen, Karins Mittagessen fiel heute aus und ich war mächtig stolz auf mich. Froh, nicht nach draußen zu müssen, schlief ich jetzt wirklich ein.
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