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Übernachtung ohne Frühstück
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Ich bin ein fürchterlich neugieriger Kater, genauer gesagt, ich habe ein breites Spektrum an Interessen. Und diese Interessen bringen mich immer wieder in Schwierigkeiten. Bei uns in der Straße wohnen viele Familien. Bei einigen bin ich immer willkommen, bei anderen eher weniger. Bei den Letzteren höre ich immer "Husch, mach dich vom Acker". Ich folge der Aufforderung natürlich nur unter Protest und sehr, sehr langsam. Eines Abends, es dämmerte schon, stand nun bei dieser Familie "Husch" die Seitentür ihrer Garage offen. Die Gelegenheit war günstig, da mal einen Blick reinzuwerfen. Ich trabte also vorsichtig durch die offene Tür.
Unbekannte Garagen sind wahnsinnig spannend. Regale laden zum klettern ein, warme Motorhauben sind ein idealer Ruheplatz . Wenn es richtig gut läuft, findet sich sogar was Essbares. Ich war also sehr gespannt. An der Wand hingen mehrere Regalböden. Mit einem weiten Sprung saß ich auf dem ersten Regalboden. Was ich fand, war extrem langweilig. Kinderspielzeug, alles der gleiche Kram, den Sophie auch hat. Das einzig Interessante war ein gelber Tennisball zum spielen. Aber dazu hatte ich jetzt keine Lust.
Weiter oben standen Blumentöpfe, Farbdosen, Pakete, auf denen Bilder von Schnecken und Ameisen aufgedruckt waren und deren Inhalt sehr gefährlich roch. Da halte ich meine Tatzen besser von fern. Etwas komisch seit ihr Menschen manchmal schon. Wenn ihr Schnecken und Ameisen so gern habt, wozu stellt ihr dann davon Bilder in die Garage. Ihr müßt nur in den Garten gehen, da gibt's die in Massen. Naja, so sind die Menschen. Ich fand Fahrräder, Schaufeln und ähnlich komische Gerätschaften. Insgesamt war ich dann aber doch schnell gelangweilt und wollte wieder raus. Vor lauter Forschungsdrang hatte ich nicht wahrgenommen, dass die Seitentür geschlossen wurde.
Und jetzt hatte ich ein Problem. Da war kein Ausgang, da gab es auch keine Katzenklappe, da gab es nichts, wo ich hätte rauskönnen. Eingeschlossen! Gefangen! Ich, Moritz, saß fest und das Nachtleben fand ohne mich statt. Und das alles nur, weil ich so neugierig war. Es war bereits zum 2. Mal, dass mir meine Neugierde zum Verhängnis wurde. Als hier in der Gegend vor einiger Zeit ein völlig verwilderter Kater rumstreunte, stellte die nette Frau vom Tierschutzbund eine Katzenfalle auf. Was meint Ihr wohl, wer da als erster drin saß? - Genau, ich natürlich. War damals das erste und einzige Mal, dass ich mit einem Taxi nach Hause kam.
Gut, dass mich keiner von den anderen Katzen hier sehen konnte. Sie hätten sich totgelacht. Ich durchsuchte alle Ecken der Garage nach einem Ausgang. Selbst das Garagendach habe ich genau begutachtet. Zwecklos, das Ding war total dicht. Mein Magen knurrte, ich fand hier aber weder was zu essen noch zu trinken. Ich miaute einige Mal, aber zu laut wollte ich dann nicht werden, wegen der anderen Katzen natürlich. Ich wäre blamiert bis ans Ende meiner Tage. Der Gedanke daran, dass alle anderen Kater diese Nacht in meinem Revier tun und lassen, was sie wollen, bereitete mir Unbehagen. Aber es blieb mir wohl nichts anderes übrig, ich mußte die Nacht hier verbringen.

Halb im Schlaf und doch immer ein Auge offen, lag ich auf dem harten Garagenboden und wartete auf den Morgen. Nie zuvor war der Unterschied zwischen einer Tür und der Sonne so deutlich. Die Sonne ging auf, die Tür nicht. Es dauerte noch etliche Stunden, aber dann hörte ich Schritte und endlich öffnete sich der Weg in die Freiheit. Ich sprang auf und flitzte wie der Blitz durch die offene Tür. Die junge Dame, die sie geöffnet hat, war wohl sehr überrascht und erschrocken, als ich einfach so an ihr vorbeilief. Jedenfalls hörte sie sich so an.

Nachdem sie aber begriffen hatte, wer da an ihr vorbeiflitzt war, hörte ich endlich wieder das so vertraute "Husch, mach dich vom Acker". Zum ersten Mal respektierte ich die Aufforderung und lief im Galopp nach Hause, zielstrebig und ohne Umwege zu meinem Futterplatz. Nachdem ich mich dort gestärkt hatte, faßte ich den Entschluß, nie wieder neugierig zu sein und nie wieder in fremde Gebäude zu gehen. Ob ich das allerdings durchhalte, wird sich erst noch zeigen. Hier geht es weiter zur nächsten Geschichte.
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