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Ein Freund, ein guter Freund...
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Nicht alles, was ich so erlebe, ist unbedingt immer mit vielen Problemen verbunden. Manchmal geht alles auch ganz unkompliziert vonstatten, so wie in dieser Geschichte. Vor einem Jahr haben wir hier neue Nachbarn bekommen. Das sie ein Zwergkaninchen haben, dass draußen im Garten einen eigenen Stall hat, habe ich positiv zur Kenntnis genommen. Negativ ist mir daran aufgefallen, dass ich partout nicht die Stalltür aufbekomme, so dass der Mümmelmann nicht zum Verzehr zu erreichen ist. Letzten Herbst dann bekamen sie einen Kater. Das war schon wesentlich interessanter für mich. Konkurrenz in unmittelbarer Nähe.
Aber enttäuschender Weise war das ja noch ein richtiger Dreikäsehoch, ein Jüngling und somit auch keine Konkurrenz für einen alteingesessenen Haudegen wie mich. Den ganzen Winter durfte der kleine nicht aus dem Haus, weil er ja noch so jung war. Ich fand das immer sehr schade, weil es einfacher gewesen wäre, ihm von klein auf klarzumachen, wo hier in meiner Nähe der Hammer hängt. Jetzt ist der Dreikäsehoch inzwischen ein Jahr alt und vor einigen Wochen durfte er dann endlich das Haus verlassen und sich in der Umgebung umsehen und sich dem einheimischen Katzenvolk vorstellen.
Charly heißt der inzwischen Halbstarke mit der drahtigen Figur. Er ist lange nicht so gemütlich wie ich es bin, aber ich muss ja auch ein paar Pfund mehr mit mir rumtragen. Jedenfalls dauerte es nicht lange und Charly besuchte mich. Er war sehr schüchtern und schaute erst einmal vorsichtig um die Ecke. Vorsichtshalber machte ich ein fürchterlich grimmiges Gesicht und verwandelte meinen schlanken Schwanz in eine riesige Flaschenbürste, nur zur Sicherheit, damit Charly wusste, wer hier der Herr im Hause ist.
Er war tief beeindruckt und schlich sich wieder von dannen. Na ja, so war das ja auch nicht von mir gemeint, da will ich mal schnell hinterher und ihm ein Friedensangebot machen. Wir liefen hintereinander einige Male ums Haus, bis Charly endlich stehen blieb. Vorsichtig gingen wir aufeinander zu und beschnupperten uns ganz vorsichtig. Charly schien mich zu mögen und mir gefiel der Bursche auch, wie ich ehrlich zugeben muss. Wir gaben uns zum Zeichen der Freundschaft einen Nasenstüber und dann tobten wir beide zusammen durch den Garten und rauften uns freundschaftlich in den Blumenbeeten.
Von diesem Tag an hatte ich einen neuen Freund und Charly kommt fast täglich zu mir. Zuerst toben wir durch den Garten und ruhen uns danach auf dem Terassentisch aus. Da soll ich eigentlich nicht drauf, aber gerade darum ist es immer so lustig, wenn Karin uns anmeckert, wenn wir beide dick und fett auf der Tischplatte liegen. So professionell wie sie uns anfaucht, wäre eine gute Katze aus ihr geworden. Dann wird noch ein wenig getobt und dann haben wir meist Hunger, aber gefressen wird zuhause. Mein Napf ist für Charly tabu, damit das klar ist.

Inzwischen ist Charly auch etwas zutraulicher geworden und besucht mich schon einmal im Haus. Streicheln lässt er sich allerdings von meinen Dosis nicht, dazu ist er einfach noch zu scheu. Aber das muss er ja auch nicht, ich freue mich, wenn er mich besucht und wir beide im Garten spielen und toben können um dann gemeinsam unter den Büschen ein Nickerchen zu halten. Auch spielen macht müde. Irgendwie ist es schon sehr schön, einen Freund und Spielkameraden zu haben.

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