Archive for September, 2010

Die Gesetzlosen …

… das sind eine Horde kegelwütiger Paare, die beschlossen hatten, am vergangenen Wochenende die Insel Neuwerk vor Cuxhaven zu stürmen. Sie starteten am Samstagvormittag wie die Tiger und landeten am Sonntagnachmittag wie begossene Pudel. Natürlich wussten alle, dass das strahlende Spätsommerwetter, welches bei der Abfahrt in Versmold herrschte, nicht für die Küste angesagt war. Aber die Gesetzlosen waren hammerhart, dachten sie zumindest und verdrängten die Aussichten auf Sturm und Regen auf Neuwerk. In Sahlenburg schien sich diese Haltung auch noch zu bewähren, es war zwar auf dem Festland derbe windig, aber immerhin blinzelte auch die Sonne durch die Wolkenlücken. Pferdekutschen standen für die wilde Horde bereit, der Kutscher kennt den Weg und die Rotte blies zum Angriff auf die Nahrungsmittel- und Alkoholvorräte des Eilands mit den robusten Leuchtturm. Attacke marsch !!

Nach einer Stunde im Wattwagen wurde die Truppe schon einmal etwas friedlicher, denn der Sturm im Watt hatte für ostwestfälische Festländer apokalyptische Dimensionen. Der heftige Wind fing sich in jeder Ritze der Regenjacken und die Gesetzlosen waren aufgeblasen wie das Michelin – Männchen. Damit nicht genug, kurz vor den reservierten Nachtlagern in gemütlichen Pensionen öffnete zu Demonstrationzwecken auch Petrus seine Schleusen, vorzugsweise mit etwas Hagel gemischt, um schon einmal klar zu stellen, was an diesem Wochenende angesagt war. Die Gesetzlosen fanden aber, nachdem sich jeder für kurze Zeit hinter dem warmen Ofen verkrochen hatte, wieder schnell zu ihrer guten Laune zurück. Zuerst wurde am frühen Samstagabend der Leuchtturm geentert.

Danach knurrte der wilden Horde der Magen, also weiter zur nächsten Station. Kaum verließen die Eroberer des Eilands die schützenden Mauern des Leuchtturms, meldete sich der Wettergott reichlich missgelaunt und schickte eine geballte Ladung Wasser, wieder einmal, auf die hungernde Bande aus Ostwestfalen. Leicht durchfeuchtet, aber langsam im Lokal wieder abtrocknend, feierte die Meute die durchaus leckere Mahlzeit im Anker und die freundliche Bedienung, es wurde sogar getanzt und viel gelacht. Man knüpfte Kontakte zu den wenigen Einheimischen und zu anderen Gästen. Soweit war der Plan der Gesetzlosen also aufgegangen. Man hätte entspannt und fröhlich aufgedreht ins Nachtlager zurückkehren können, aber da meldete sich zum dritten Male der Regenpetrus zu Wort. Und diesmal war es kein Spaß mehr. Der eingeborene Ostwestfale erwartet Regentropfen im allgemeinen von oben, hier spielte aber noch ein gepflegter Sturm mit und die furchtlosen Heimkehrer wurden auf dem an sich recht kurzen Heimweg von vorne rechts durch waagerecht fallende Wassermengen einseitig durchgeweicht. Sinnigerweise drehten sich einige ganz Schlaue zeitweise auch um und gingen rückwärts, wegen dem aggresiven Sturm im Gesicht, so dass diese dann gleichmäßig beidseitig und rundum nass bis auf die Knochen waren. Regenschirme überleben in diesem rauhen Umfeld von ungeahnten Windstärken nur wenige Sekunden, das hatten einige Gesetzlose bereits schmerzhaft bei der Wattwagenfahrt erkennen müssen. Feucht hinter den Ohren schlief die Horde der Eroberer nun erst einmal eine Nacht über den Erkenntnissen des Tages und am Morgen danach sah die Welt doch schon viel freundlicher aus. Die Sonne lies sich sogar ab und an blicken und so konnte man am Sonntag die Insel trocken erforschen. Herrlich. Eine schöne friedliche Natur, ruhig ist es auch, zumindest außerhalb der Hauptsaison, wenn sich nicht Ströme von Touris für einige Stunden auf der Insel tummeln. Petrus schien vor uns kapituliert zu haben, bis zur Rückfahrt mit dem Wattwagen blieb alles trocken.

Man soll jedoch den Tag nicht vor dem Abend loben, kaum saßen die furchtlosen Ostwestfalen wieder in der Kutsche, da blies auch Regenpetrus wieder kraftvoll ins Horn, holte sich zur Verstärkung wie gewohnt Gevatter Sturm dazu und sorgte auf der Rückfahrt nochmals für feuchte Regenjacken und klamme Hosenbeine. Es war schon ein beruhigendes Gefühl, in Sahlenburg wieder in einen rundum geschlossenen wasser- und winddichten PKW zu steigen. Unnötig zu erwähnen, das es auch auf der Rückfahrt auf der Autobahn nur geregnet hat. Allerdings, kurz vor der Heimat hörte es auf und das trockene ostwestfälische Flachland schloss seine furchtlosen Eroberer wieder in die heimatlichen Arme.

Das Gute am Menschen ist ja, dass man sich hinterher nicht mehr so an das ungastliche Wetter erinnert, sondern nur noch an den Spaß, den man trotzdem auf der Insel hatte. Natur pur kommt dazu und so ganz anders wie daheim ist es auch. Ich war nun schon zum zweiten Male dort und werde es sicher irgendwann nochmals tun, da bin ich fast sicher …   😉

Share